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Das Problem zur Lösung gemacht – UCON ACROBATICS lanciert Taschen und Rucksäcke aus Altkleidern

Was vielen Menschen wenig bewusst ist. Die Textilwirtschaft und -industrie hat ein gewaltiges Umweltproblem. Der Grund liegt nicht nur in der Produktion, die viel Abfall und Giftstoffe erzeugt. Noch problematischer ist die geringe Recyclingquote die zusammen mit Fast Fashion dafür sorgt, dass sehr viele Ressourcen verschwendet werden. Dabei könnte laut einer McKinsey Studie neue Kleidung aus einem Fünftel des Textilabfalls werden. Die Second Hand Nutzung wurde dabei nicht betrachtet. Allein schon in Deutschland sind das gewaltige Mengen. Durchschnittlich produziert jeder Deutsche ca. 4,7 Kg Textilmüll. Aktuell wird rund 1% des Textilmülls zu neuen Textilprodukten recycelt. Mehr als 65% landen ohne Umwege direkt in der Müllverbrennung oder auf der Mülldeponie. Es sind Ideen gefragt, wie Textilprodukte wirtschaftlich recycelt werden können. Auch das Fast Fashion Unwesen, dass insbesondere junge Frauen anheizen, muss mittelfristig eingedämmt werden.

Doch es gibt hoffungsvolle Ansätze

Schnittbild eines Rucksacks
Ein Uson Rucksack im Schnittbild Foto: UCON ACROBATICS

Das Berliner Label Ucon Acrobatics bringt diesen Herbst als eine der weltweit ersten Firmen Taschen und Rucksäcke auf den Markt, die überwiegend aus recycelten Textilien bestehen. Für einen Rucksack werden dabei etwa 850g Textilabfälle (82% Altkleider, 18% industrieller Abfall aus Textilproduktion) recycelt. Das Label sieht darin einen Ansatz im Umgang mit dem globalen Abfallproblem der Textilindustrie. Immerhin ist sie für zehn Prozent der weltweiten CO²-Emissionen verantwortlich.

„Die Textilindustrie hat ein massives Abfallproblem zu lösen. Jede Sekunde wird irgendwo auf der Erde eine Lastwagenladung Textilien auf Deponien abgelagert oder verbrannt. Im Jahr 2021 wurden nur 0,6% wieder zu neuen Textilien recycelt. Das bedeutet, dass 99,4% auf Mülldeponien landeten oder verbrannt wurden“,

Martin Fussenegger, Ucon Acrobatics Co-Founder

Martin Fussenegger hat Ucon Acrobatics 2001 gemeinsam mit Jochen Smuda gegründet. Bei Ucon Acrobatics werden deshalb statt PET-Flaschen aus der Getränkeindustrie nun Textilabfälle recycelt. Auf Pilotanlagen werden Textilabfälle mit hohem PET-Anteil in neues hochwertiges PET-Granulat verwandelt und anschließend zu Garnen weiterverarbeitet. Dies führt zu einer 35%igen Reduzierung der CO2-Emissionen im Vergleich zu Neupolyester. Außerdem werden Füllstoffe wie Hartplastikelemente und Schaumstoffe konsequent durch Textilabfälle in Form von Filz ersetzt. 

Durch das so genannte Spinnfärbeverfahren („Dope Dye“) wird der Wasserverbrauch um bis zu 90%, der Einsatz von Chemikalien um 80% sowie der Energie- und CO2-Ausstoß um die Hälfte reduziert.

„Die Maßnahmen sind in dieser Kombination außergewöhnlich und sehr ambitioniert. Trotz der höheren Produktionskosten wollen wir vorankommen, denn wir sehen in der Kreislaufwirtschaft eine der großen Aufgaben unserer Zeit,“

betont Martin Fussenegger.

In einem mehrjährigen Prozess konnte ein spezielles Tech-Material aus Polyurethan („PUrTEX∞“) entwickelt werden, welches seinesgleichen sucht. Im Vergleich zu herkömmlichen ‘veganen Ledern’ konnte die Kratzfestigkeit um das 100-fache verbessert und gleichzeitig auf Lösungsmittel verzichtet werden. 

Ab 2024 will Ucon Acrobatics schrittweise die gesamte Produktion umstellen und damit einen Wandel in der Branche anstoßen. Das Label will dabei eine Vorreiterrolle einnehmen und hofft auf Nachahmer, denn: „Die Industrie muss umdenken – und zwar besser heute als morgen“.

Hier geht es zur Website und dem Online Shop: ucon-acrobatics.com/